Damit ihr die Gala-Robe für den gestrigen ESC-Auftritt passte, quälte sich die Cascada-Frontfrau wochenlang im Fitness-Studio
Sie war die Favoritin, und um 0.25 Uhr war sie auch die Siegerin: Emmelie de Forest hat mit ihrem Song „Only Teardrops“ den 58. Eurovision Song Contest gewonnen.
Die 20-Jährige hatte in Malmö auch praktisch ein Heimspiel. Sie kommt aus Kopenhagen, nur 20 Minuten vom Ort des Geschehens entfernt. Aber sie hatte auch den Song, der am meisten ins Ohr ging, ihre Vorstellung, barfuß und am Boden sitzend, strahlte genau die Niedlichkeit aus, mit der vor drei Jahren auch Lena die Herzen Europas eroberte.
In Zeiten der Zurückhaltung und knappen Kassen in Europa sind Pomp, Zirkus und große Inszenierung offenbar nicht gefragt. Man mag es ungekünstelt und aufrecht. Dass Emmelie de Forest entfernt mit dem britischen Königshaus verwandt sein soll, tat dem authentischen Jungmädchencharme keinen Abbruch.
Von alldem konnte bei Natalie Horler keine Rede sein. Auch deshalb gehörte die 31-Jährige mit ihrem Projekt Cascada zu den großen Verlierern des Abends. Mit 18 Punkten die gerade mal aus fünf Ländern kamen, schaffte sie nur einen enttäuschenden 21. Platz. Bei ihrem Auftritt waberte Trockennebel, sprühte Feuer.
Sie trat als Elfte an, und sie war die Erste, die richtig rockte. Doch der einfach gestrickte Eurodance-Song „Glorious“ war offenbar nun wirklich nicht der Song, den die Welt im Jahr 2013 braucht. Und auch Rampensäue gab es bessere.
range'>Die Ukraine mit dem 2,34 Meter großen Riesen Igor Wowkowinskij und der Sängerin Zlata Ognevich etwa, die mit der Power-Ballade „Gravity“ auf dem dritten Platz landeten. Oder die famose griechische Folk-Combo um Ilias Kozas, die mit der Botschaft „Alcohol Is Free“ einen Überraschungserfolg landeten.
Und Natalie Horler? Sie hat zwar verloren, doch sie hatte nichts zu verlieren.
Cascada verkauften mehr als 30 Millionen Tonträger, erreichte Top-Ten-Hits rund um die Welt und verdrängte mit der Single „Evacuate The Dancefloor“ sogar Michael Jackson nach dessen Tod von der Chartspitze. Was viele durch den ESC erst werden wollen, ist sie längst: ein Star.
In Erinnerung wird wenig mehr bleiben als ihr Bühnenkleid. Die Robe wurde ihr von der Bonner Designerin Katia Convents auf den Leib geschneidert, die auch die Garderobe für die RTL-Show „Let’s Dance“ designt. Auf Horlers nudefarbenes ESC-Kleid mit dem goldenen Schimmer sind von Convents und ihrem Team 20 000 Strass-Steine und 100 Nieten per Hand aufgenäht. Die ursprünglich zwei Meter lange Schleppe war noch einmal gekürzt worden, damit sich die Sängerin auf der Bühne besser bewegen konnte. Es half nichts.
Nach Schweden wurde Natalie Horler von einer 140-köpfigen Delegation, Ehemann Maurice und ihrer Familie begleitet. Nur Vater David Horler, 69, konnte nicht dabei sein. Der Jazzposaunist und Dirigent, der vor 41 Jahren mit der BBC Big Band selbst beim Grand Prix in Edinburgh auftrat, dirigierte gestern Abend in Koblenz das „Rhine Phillis Orchestra“.
Damals, 1972, errang Mary Roos für Deutschland den dritten Platz. Cascada wurden 41 Jahre später 21. Nicht glorios!